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Seaworkers are Keyworkers

Tag des Seefahrers 2020:

Als die Internationale Maritime Organisation (IMO) vor genau zehn Jahren beschloss, den 25. Juni von da an jedes Jahr den Seeleuten zu widmen und den „Day of the Seafarer“ ins Leben rief, war die Zielstellung klar definiert. Es sollte ein weltweit beachtetes Zeichen gesetzt werden, um die zwar spannende, aber oftmals harte, einsame und aufopferungsvolle Arbeit der Seeleute zu würdigen und einem breiten Publikum näher zu bringen. Einem Publikum, das von ebendieser Arbeit der Seeleute ausnahmslos profitiert, aber davon in aller Regel gar nichts weiß. Die Arbeit der rund 1,65 Millionen Seeleute an Bord von rund 95.400 Seeschiffen findet heute für die „normale Welt“ unsichtbar statt. Auch wenn Seeleute immer noch gerne Lieder singen und Geselligkeit suchen, prägen sie nicht mehr das Bild von Hafenstädten. Auch auf den Flughäfen der Welt und im normalen Leben fallen Sie nicht besonders auf, denn eine weithin erkennbare Seemannsbekleidung gibt es nicht mehr und Tattoos kann inzwischen jeder und jede tragen. Natürlich sind dies Klischees, aber wie so oft ist auch hier etwas Wahres daran. Die Schifffahrt ganz allgemein und die Seeleute im Besonderen kommen in der heutigen Zeit in den Zeitungen, im Fernsehen, im Radio und auch in den sozialen Medien immer weniger und oftmals nur in hoch spezialisierten Nischen vor und stehen so am Rand der öffentlichen Aufmerksamkeit. Das aber wird ihrer Rolle für die Gesellschaft in keiner Weise gerecht, denn bis heute werden über 90 Prozent der interkontinentalen Warenströme dank der Arbeit der Seeleute über die Seeschifffahrt abgewickelt.

In Bremerhaven hat sich schon vor Jahren ein Kreis Engagierter rund um die Deutsche Seemannsmission versammelt und gemeinsam beschlossen, im eigenen Hafen, den „Tag des Seefahrers“ jeweils mit einem Fest für die dann im Hafen liegenden Seeleute zu begehen. Das hat von Beginn an gut geklappt und wurde von Jahr zu Jahr immer mehr den Realitäten und Bedürfnissen der Seeleute angepasst und so immer besser. Zuletzt kamen im Jahr 2019 mit den Seeleuten von Bord der Schiffe über 200 Gäste aus der Hafenwirtschaft, aus maritimem Studiengängen, aus Schulklassen, aus dem Nautischen Verein und natürlich von der Deutschen Seemannsmission zusammen, um den Seeleuten Dank und Anerkennung für deren Arbeit auszusprechen. Die Bilder von den sportlichen Aktivitäten, vom großen Barbecue, von gemeinsamen Begegnungen und Gesprächen gingen schnell um die Welt, denn das, was die Seeleute im Bremerhavener Seemannsclub Welcome erlebten, wollten sie mit ihren Freunden, ihrer Familie und den Besatzungen anderer Schiffe teilen. 

Im Jahr 2020, dem Jahr der Corona-Pandemie aber war und ist an große Feiern (zumindest noch) nicht zu denken und gleichzeitig ist es wichtiger denn je, die Seeleute und deren Arbeit für die Gesellschaft in den Blick zu nehmen. Es gibt wohl kaum eine Berufsgruppe deren Leben durch die Corona-Pandemie in so einschneidender Weise beeinflusst wurde, wie das der Seeleute. Normalerweise sind jeden Monat rund 150.000 Seeleute weltweit unterwegs, um zu ihren Schiffen zu gelangen, um dort andere Besatzungsmitglieder nach getaner, oft monatelanger Arbeit abzulösen und zu ihren Familien nach Hause fliegen zu lassen. Genau dies aber ist im Moment kaum möglich, denn auch wenn die Seeleute der Krise zum Trotz ohne Pause und Kurzarbeit weiterarbeiten und die Schiffe weiterfahren, liegt der internationale Flugverkehr am Boden und der Weg nach Hause ist blockiert. Hinzu kommt, dass es schon seit Monaten nicht mehr oder nur in absoluten Ausnahmefällen möglich ist, die Schiffe zu verlassen, kurz im Hafen einzukaufen oder einfach auch nur mal andere Menschen zu treffen, als die zwanzig oder dreißig Besatzungsmitglieder an Bord des eigenen Schiffes. Das führt zu Spannungen und zu Belastungen, die sich Menschen an Land kaum vorstellen können und die in ihrer zeitlichen Dimension um ein Vielfaches größer sind als bei viel beachteten Weltraum-Missionen. Seeleute nämlich werden nicht jahrelang für ihren Bordeinsatz trainiert und die Crews werden nicht über monatelange Auswahlverfahren sorgfältig zusammengesetzt. Wer also, wenn nicht die für die Weltwirtschaft unabdingbaren, systemrelevanten Seeleute hat eine besondere Aufmerksamkeit verdient? „Seaworkers are Keyworkers“ lautete deshalb auch das Motto des diesjährigen Tages des Seefahrers und erneut wurden in Bremerhaven für den 25. Juni alle Hebel in Bewegung gesetzt, um die Seeleute an diesem besonderen Tag in den Mittelpunkt zu stellen. Unter Beachtung strenger Vorgaben und Hygienekonzepte wurde ein kühner Plan entworfen und engagiert umgesetzt und so konnten mit einer kleinen Gruppe Freiwilliger inklusive der jungen Bremerhavener Band Friendzy die Besatzungen der im Hafen liegenden Schiffe aufgesucht werden. Mit Musik, kleinen Geschenken und Worten des Dankes und der Anerkennung wurde den Seeleuten der Respekt für ihre Arbeit und ihr Engagement entgegengebracht, den sie verdienen, nicht mehr aber auch nicht weniger.

Der Tag des Seefahrers ist in der Tat ein ganz Besonderer und die beispielhaften Aktionen in Bremerhaven sowie auch in vielen anderen Häfen der Welt zeigen, in welcher Form den Seeleuten Dank und Anerkennung entgegengebracht werden kann. Dafür braucht es viel Engagement und Unterstützung und wenn man genauer hinschaut, braucht es dies natürlich nicht nur am 25. Juni, sondern praktisch jeden Tag, denn im Grunde ist jeder einzelne Tag ein Tag der Seefahrer.

Iven Krämer

TAG DES SEEFAHRERS 2020
Tag des Seefahrers 2020