Das mediale Interesse war gewaltig, als im September vergangenen Jahres die Disney Adventure in der Werft in Bremerhaven fest gemacht hatte. Nicht allein die Dimensionen des Schiffes waren beeindruckend, sondern auch das Verkehrschaos, das der Ansturm der angeheuerten Arbeitskräfte in den ersten Tagen verursachte. Das hatte sich jedoch bald gelegt und in den folgenden Monaten traf man viele dieser Menschen in der Stadt – oftmals gut zu erkennen an den Micky-Maus Ohren auf den Helmen.
Auch im Seemannsclub Welcome hatten wir uns schon auf einen gewissen abendlichen Ansturm vorbereitet. Der blieb aber zunächst aus. Doch mit zunehmender Fertigstellung des Schiffes, wuchs auch die Anzahl der Besatzungsmitglieder und damit die Anzahl der Besuche im Club stetig an, bis schließlich ein regelmäßiger Schuttlebus die abendliche Verbindung zwischen Schiff und Seemannsclub gewährleistete. Insbesondere die Entertainment-Crew genoss ganz offensichtlich die Möglichkeit, die Baustelle an Bord zu verlassen und brachte jede Menge Musik und gute Laune in den Club. Neue Bekanntschaften wurden gemacht, Freundschaften geschlossen, wir haben gefeiert und gelacht.
Es ist schon eine sehr lange Tradition, dass die Seemannsmission an Heiligabend mit dem Posaunenchor der Kreuzkirche durch den Hafen zieht, um auf den Schiffen für die Seeleute Weihnachtslieder zu spielen. Auch die Crew der Disney musste dabei im Kreuzfahrtterminal das ein oder andere „Heimweh-Tränchen“ wegwischen. Und selten war unser Club an Weihnachten zu Gottesdienst und Spanferkel so voll mit fröhlichen und glücklichen Menschen, wie dieses Jahr.
Weil das so schön war, wurden Bordbetreuer Philipp Manthey und ich vom Management gefragt, ob wir vor der Abfahrt das Schiff und die Crew segnen könnten. Und so haben wir am 1. Januar an Bord der Disney Adventure eine Segens-Andacht gehalten. Dass auch unser Angebot von Einzelsegnungen von sehr vielen Crewmitgliedern wahrgenommen wurde, zeigt, wie wichtig seelsorgerische und spirituelle Angebote gerade für diese Menschen in solchen Ausnahmesituationen sind. Mein Highlight war nun bei alledem ein extra als Dankeschön arrangiertes persönliches Treffen an Bord mit meinem Kindheitshelden Donald Duck. Zum krönenden Abschluss wurde die traditionellen Schiffstaufe vollzogen, bei der eine Champagnerflasche fachgerecht an der Bordwand zerschellte. Ein würdiger Moment – irgendwo zwischen Seemannsbrauch, Disney-Magie und der Gewissheit: Auch Donald Duck fährt nicht ohne Segen zur See.

Bordbetreuer-Diakon Philipp Manthey und Seemannspastor Uwe Baumhauer

Feiernde Gäste im Seemannsclub Weihnachten 2025
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